Donnerstag, 11. November 2010

Wunderschoene Wueste

Unterdessen hat uns Chile "waermstens" empfangen: Mit T-Shirt und Kurzhose / Rock assen wir heute unser erstes Zmorge hier. Am Schattentischli versteht sich - direkt vor unserem Zimmer... Pfffff... Und der Wunsch nach Siesta ist bei diesen Temperaturen groesser als auch schon. ;-) Wir sind gespannt auf die naechsten Wochen, die wir hier in Chile verbringen werden. Bis jetzt ist alles etwas anders als noch gestern in Bolivien. S'faengt an bei den kleinen Dingen des Lebens: Papier und Seife im Bad vorhanden, Empanadas (gefuellte Teigtasche) mit salzigem statt suesslichem Teig, Zmorgebroetli mit Teig statt Luft gefuellt, eine andere Waehrung (1 Fr. sind ungefaehr 500 Pesos - kommt uns vor wie frueher mit den italienischen Lira), geteerte Strassen, usw...

Aber noch zu den letzten Tagen in Bolivien. Vier Tage fuhren wir mit Nadège und Paul Jorge aus Neu Kaledonien durch die Pampa im Suedwesten des Landes inklusive der einzigartigen Salzwueste "Salar de Uyuni". Und wer jetzt nicht weiss, wo Neu Kaledonien ist - macht nichts, wir mussten es uns auch erklaeren lassen ;-). Fahrer Erwin (nein, kein Zugewanderter) und Koch Hector (nicht zu verwechseln mit Hannibal Lector) verwoehnten uns wie Koenige. Super Essen, super Fahrstil (bei den Holperpisten nicht unwichtig) und immer wieder super Musik, inkl. DJ Bobo mit "Everybody" ;-)! Und oben drauf die "osennig rüdig böimig verreckte" Landschaft (u.a. verziert mit Flamingos, die wir ja auf Galápagos vermisst haben).

Weil ein Bild bekanntlich mehr als 1'000 Worte sagt, hier ein paar söttige. Es ist nur eine kleine Auswahl unserer Fotos. Wir haben es das erste Mal fertig gebracht, pro Tag einen ganzen Akku zu leeren...


Oben: Lamas und Vicuñas haben wir haufenweise angetroffen
Unten: Unsere haushohe Fussball-Niederlage auf ueber 4'000 m.ü.M. - schnauf, schnauf...

Oben: Eine "Moos-Oase" mitten in der Wueste

Oben: Wind wirbelt Salze und andere Mineralien auf
Unten: Ein warmes Bad auf gut 4'500 m.ü.M.



Oben & unten: Geysir-Feld auf ueber 5'000 m.ü.M.


Oben: Noch mehr Flamingos ;-) - am Zmorgen-Schlemmern im warmen Wasser
 
Oben: Flugsaurier? Genau!
Unten: Glücksschwein Nici sonnt sich unter dem Stein-Baum


Oben: Unsere Gspaendli Nadège und Paul Jorge
Unten: Liebe auf den 1. Blick...

Oben: Gourmet zum 1. - Ein zahmes Viscacha (Verwandter des Chinchilla) am Zmittag
Unten: Gourmet zum 2. - Unser taegliches Buffet. Mit viel Gemuese. 

Oben: S'ist als ob man zu einer Skitour fahren wuerde, einfach auf Salz ;-)...
Und dann, kurz vor 6 Uhr geht die Sonne auf...






Oben: Nein, nicht eine Schneebar, sondern das Salzmuseum in der Wueste Uyuni - aus Salz gebaut
Unten: Zum Anbeissen - wen/was auch immer... 

Oben & unten: Abend- und Morgenstimmung auf dem Weg nach Chile

Freitag, 5. November 2010

Zwischen Gott und dem Teufel

Aus China hoeren wir immer wieder, dass dort soundsoviele Bergarbeiter umgekommen sind. Meistens verschuettet oder eingeschlossen und erstickt. Die DRS-Meldung hoert dann meistens immer gleich auf - mit einer Statistik. Z.B.:

"Im vergangenen Jahr starben in chinesischen Kohlebergwerken nach offiziellen Angaben mehr als 2'600 Menschen. Die tatsächlichen Zahlen dürften allerdings noch deutlich höher liegen."

Ich, Silvan, habe beschlossen, eines der gefaehrlichsten Bergwerke der Welt zu besuchen. Nicht in China, logisch, aber in Potosí, Bolivien. Angestachelt von der unsaeglichen (emotionalen und geografischen) Distanz zwischen meinem Arbeitsplatz und oben genannten Nachrichten.

Seit der Kolonialzeit wird der Cerro Rico ("reicher Berg") in Potosí durchloechert, in der Hoffnung, moeglichst viel Silber und Zink zu finden. Hunderte Minen stecken in dem Berg. Die Mineure arbeiten in Eigenregie. Heisst: Sie bestimmen, wie viel sie arbeiten. Auch muessen sie saemtliche Ausruestung selbst bezahlen (von der Schutzbekleidung ueber den Sprengstoff bis hin zur Schaufel). Der Anfangslohn eines Mineurs liegt bei ca. 750 Bolivianos pro Monat. Knapp 110 Franken. Wer ein paar Jahre dabei ist, schafft's zum so genannten "1. Mineur". Diese arbeiten an der Front mit Presslufthammer und Sprengstoff, gefaehrlicher und noch ungesuender, dafuer gibt's pro Monat bis zu 350 Franken.

Spaetestens nach 10-15 Jahren in der Mine ist Schluss. Dann sterben die meisten Bergarbeiter an Silikose. Ihre Lunge ist vernarbt und verklebt, sie ersticken. Andere (weitaus mehr) werden von Felsbrocken erschlagen oder eingeschlossen. Auch sie ersticken und hinterlassen oft eine Familie. Von der Witwenrente kann man hier keine Familie ernaehren. Also ruecken die Mineurs-Soehne nach. Denn Frauen duerfen in Potosí nicht in den Minen arbeiten. Das bringe Unglueck, so der Glaube. Der juengste Mineur, der zur Zeit im Cerro Rico fuer seine Familie schuftet, ist 11 Jahre alt (laut offiziellen Angaben). Aber was heisst schon "offiziell" in einem Umfeld, das seine Regeln selbst definiert?

Gemaess eben diesen offiziellen Angaben der 37 verschiedenen Kooperationen arbeiten 10'000 bis 12'000 Menschen in Potosí im Bergbau (zwischen 4'200 und 4'600 m. ue. M.). Also rund 1/10 der Bevoelkerung von Potosí. Letztes Jahr habe der Berg 65 Kumpel "gefressen".

Mein Besuch dieser unwirklichen Arbeitsstaette begann steil: Mit einem Einkauf im Mineuren-Laedli. Der Ort, wo die Kumpel ihr Material einkaufen. Neben Stiefeln, Lampen, Cocablaettern und Suessgetraenken bekommt man hier auch alles, was es zum Sprengen braucht. Ohne Bewilligung und Papierkram. Ein Saeckchen mit Lunte, Sprengstoff und Sprengverstaerker kostet laeppische 20 Bolivianos. Rund 3 Franken. Ich kaufte 5 Ladungen und eine grosse Flasche Orangina, um sie spaeter den Schwerstarbeitern zu schenken. Danach noch kurz eine Raffinerie besichtigt, wo das Material der Minen veredelt und exportbereit (fuer China, Japan, Russland,...) gemacht wird. Nun fuhren wir mit den Jeep zum Cerro. Den Sprengstoff zwischen den Beinen auf dem Boden. Bei der Mine angekommen ging's rund 500 Meter in den Berg. 2 Stunden waren Luke aus England, unser Fuehrer und ich unterwegs. Immer wieder mussten wir rennen und den rund 2 Tonnen schweren Wagen Platz machen, mit denen die Mineure das Rohmaterial umher transportieren. Die Wagen haben keine Bremse. Wir husteten viel, wegen des Staubs und der Anstrengung. Das Tuch ueber Mund und Nase nuetzte so gut wie nichts. Die 4 Ebenen der Mine sind durch einen staubig-steinigen Kriechgang verbunden. Ich dachte mir: Gut, dass ich mir enge Hoehlenbegehungen gewohnt bin.

Nach der Hoellentour demonstrierte uns der Fuehrer die Kraft der mitgebrachten Sprengladungen. Wir bauten sie selbst zusammen und er brachte sie in sicherer Distanz zur Explosion.

Franziska blieb waehrend der ganzen Zeit in der Stadt zurueck und war froh, als ich zur abgemachten Zeit zur Café-Tuer reinkam (ich ehrlich gesagt auch ;-))...

Fuer Interessierte gibt's den preisgekroenten, Dokumentar-Film "The Devil's miner". Er wird selbst von den Mineuren in Potosí als sehr authentisch bewertet.

Oben: Das Objekt der Begierde - der Cerro Rico
Unten: Eine der Raffinerien. Sie kaufen den Mineuren das Erz ab und machen es exportbereit. 

Oben: Schon am Eingang der Mine "Candelario" kommt das erste Wasser
Unten: Sicherheitsstandards sind oftmals eine Frage des Geldes. Holz ist die billigste Loesung.

Oben: Der Sauerstoffmangel hat mir schon etwas zugesetzt
Unten: Die Kumpel karren einen Erzwagen zur Verladestelle. Leergewicht ca. 500 kg. 

Oben: Material von Level 3 wird runter zu Level 4 gefugt
Unten: Wenn der Wagen kommt gibt's nur eines: Aus dem Weg!


Oben: Angekommen. Nun muss das rund 2 Tonnen schwere Ding geleert werden.
Unten: Auf dem Weg zum naechsten Verladen haut's den Wagen erneut von den lausigen Schienen.


Unten: Pedrito (15) nimmt's locker. Das passiere mehrmals taeglich...

Oben: El Tío - der Teufel. Jede Mine hat ihr eigenes Abbild des Teufels. Jeden Freitag beschenken die Kumpel ihn mit Cocablaettern, Alkohol oder Zigaretten. Auf dass er sie nicht bestrafen moege, obwohl sie immer weiter in sein Reich eindringen. Sonntags dann, geht's in die Kirche - Gott anbeten.
Oben: Draussen angekommen, bauen wir die Sprengladung selbst
Unten: Der Guide bringt sie fuer uns zur Detonation

Todos santos - Allerheiligen in Sucre

Freitagnachmittag. Wir kommen zurueck von der Tour. Im Innenhoefli des Hostals versuchen die Doña und die Putzgehilfin gerade, den mobilen Gasofen anzufachen. Schon bald riecht's nach frischem Gebaeck. Wir denken: Advent Ende Oktober? Weit gefehlt. Vorbereitung fuer Allerheiligen. Hier das Familienfest, gefeiert ueber 3 Tage. (Am 1. November besuchen die Leute traditionellerweise den Friedhof, am 2. findet das Fest in der Familie statt und am 3. wird der Gabentempel geraeumt und die Resten gegessen.) Doña holt verschiedene Plastikbecken herbei. Blech um Blech schiebt sie in den rauschenden Ofen, setzt sich zwischendurch hin und schaut den Guezli zu, wie sie langsam die richtige Farbe bekommen. Wir stapfen an Doña vorbei, zum Gemeinschaftsbad, um uns den verbliebenen Staub, Schweiss und die Sonnencreme der letzten 3 Tage abzuduschen. "Wollt ihr probieren?", fragt Doña. Mmmmmm...



Samstagabend. Doña sitzt erneut vor dem Ofen als wir aus der Stadt zurueck kommen. Jetzt sind Bleche voller ueberdimensionaler "Gritibaenzen" im Ofen. Wir oeffnen die Zimmertuer und das Fenster. Sofort riecht auch unser Zimmer nach Backstube.

Dienstag, 2. November. Sucre scheint geradezu ausgestorben. Wir treffen uns am Morgen mit auslaendischen Volontaeren, die hier eine Art Auffangstaette fuer Kinder betreiben. Kinder, die groesstenteils vom Land kommen. Sie arbeiten in der Stadt als Schuhputzer, Autowaescher oder verkaufen Suessigkeiten auf der Strasse. Mit dem Geld finanzieren sie sich die Schule. Manche koennen gar zuhause etwas abgeben. Zurueck zu den Volontaeren. Sie zeigen uns zusammen mit einheimischen jungen Maennern ihre Stadt. Aus ihrem Blickwinkel. Angefangen auf dem Markt.



Oben: beliebtes Dessert - gesuesste und gefaerbte Gelatine, schmeckt scheusslich ;-)
Unten: Chicha - einheimisches selbstgebrautes Maisbier

Weiter geht's zum Friedhof. Normalerweise arbeiten etwa 25 Kinder hier. In diesen Tagen sind es 150-200. Es gibt viel zu tun. Denn an Allerheiligen sollen die Graeber der verstorbenen Angehoerigen besonders schoen hergerichtet (mit Blumen, Kraenzen, Girlanden und Gebaeck) und geputzt sein. Fuer ein Entgelt helfen da die "niños" aus. Andere Dienste bieten Erwachsene an: Blinde beten fuer die verstorbenen Angehoerigen der zahlenden Kundschaft. Musiker spielen und singen auf Wunsch vor den Graebern.




Zum Abschluss fahren wir in ein Aussenquartier Sucres. Wir sind eingeladen an eine Familienfeier. Am Eingang wartet ein Ritual auf uns, das wir als Gaeste nicht umgehen duerfen: Chicha (gesuesstes Maisbier) aus einer Ananas trinken. Zuerst aber - wie es die Regel beim Alkoholtrinken vorschreibt - ein bisschen auf den Boden leeren als Gabe an Pachamama (Mutter Erde). Dann eine 2. Runde mit Hochprozentigem. Jetzt geht's in einen Raum, wo eine Art Gabentempel fuer den Verstorbenen aufgebaut ist. Zeichungen, ein Foto, haufenweise Gebaeck, Getraenke, Suessigkeiten, Suppe, Pasta ,... Dinge, die der Verstorbene gerne hatte. Wir setzen uns und essen Mondongo (das typische Allerheiligen-Essen in Sucre: ein Kartoffel-Mais-Fleischgericht an scharfer Tomatensauce). Immer wieder kommt jemand vorbei mit einem Plastikkuebel voller Chicha oder Hochprozentigem. Wir brechen mit der Tradition. Denn wir wollen ja bei Sinnen bleiben und wer weiss, wie gut unsere Maegen die milchigbraune Bruehe vertragen? ;-) Die Gastgeber nehmen es uns nicht uebel. Unzaehlige Leute kommen, essen, trinken, beten vor dem Gabentempel, gehen. Je mehr Leute kommen, um dem Verstorbenen die Ehre zu erweisen, desto besser. So das Prinzip an Allerheiligen.

Mitte Nachmittag verabschieden wir uns und fahren zurueck ins Zentrum. Im Rucksack ein Saeckchen voller verschiedener Broetchen, die jeder, der fuer den Verstorbenen betet, von der Familie mitbekommt. Am Abend gehen wir zur Ecke am Hauptplatz. Dorthin, wo die alte Frau jeweils bettelt. Auch heute sitzt sie da, streckt uns schon von weitem ihren Hut entgegen. Wir legen das Saeckchen hinein. Sie verdankt es mit einem Lachen, glaenzenden Augen und einem feuchten Handkuss. Auch wenn sie nichts hat, die Oma. Stil hat sie - und wohl ein grosses Herz. Allerheiligen in Bolivien.

Mittwoch, 3. November 2010

Lila Landschaft

Sucre hat als Stadt ja schon einiges fuer's Auge zu bieten. Alleine die unzaehligen weissen Gebaeude sind eine Augenweide, der "Dino-Park"... Und erst die vielen gemuetlichen Restaurants und Cafés mit riesiger Auswahl an Desserts usw. - s'ist zum "Feisswerden" ;-) Aber da wir's ja nicht allzu lange am Stueck in einer Stadt aushalten, haben wir uns entschlossen, in Sucres Umgebung auszuschwaermen - zu den Doerfern der indigenen Jalq'a-Menschen.



Drei Tage vollgepackt mit neuen Eindruecken, emotionalen Hochs und Tiefs und beeindruckend karger Landschaft. Mit dem Fuehrer hatten wir dieses Mal etwas Pech. Er half "lediglich" aus, da sein Kollege (der eigentlich mit uns kommen sollte) niemanden fand, der das Buero huetet. Entlarvend war die Aussage zu Beginn der Tour: "No me gusta esta parte." (Mir gefaellt diese Gegend nicht.) Er sei viel lieber dort, dort und dort unterwegs... Also beschlossen wir, das Beste draus zu machen und uns nicht allzu sehr mit der Unlust des Herrn Guide zu beschaeftigen. Das klappte recht gut. Man ist ja sozial. ;-)

Die meisten "Jalq'a" sind Selbstversorger. Wenn's gut kommt haben sie ein paar Kuehe, Bullen oder Ziegen. Nicht verwunderlich also, dass saemtliche Frauen, Maenner und Kinder, die wir kreuzten, die hohle Hand machten. Unsere Cocablaetter, Riegel, Farbstifte und Malbuecher nahmen sie mit einem breiten Lachen und grosser Dankbarkeit entgegen. Ruehrend. Dennoch sehen nicht alle Leute in der Gegend gerne Touristen. So waren wir immer wieder froh, nicht alleine als Gringos unterwegs zu sein.

Am 1. Tag holte uns ein Gewitter ein. Wir wanderten die ersten 3/4 h im Hagel, waehrend unweit von uns die Sonne schien. Schraeg, aber irgendwie auch lustig! Ueber einen alten Inkaweg, dann durch ein Flusstal (gesaeumt von rotem, gruenem und lilafarbenem Broeckelfels), ueber eine alte Haengebruecke nach Maragua, ein Weiler inmitten eines alten Vulkankraters. Die letzte halbe Stunde mussten wir mit Stirnlampe laufen. Der Guide hatte keine Ahnung, wo die Unterkunft war, also klopfte er bei zwei Haeusern, bis schliesslich Hilfe aus der Dunkelheit kam. So gab's doch noch einen "Gute-Nacht-Schoppen": Pasta-Gemuese-Suppe.

 


Bereits um kurz nach 7 h liefen wir am 2. Tag los. Die Wanderung ging an die Substanz: Stundenlang trampelten wir auf unserem eigenen Schatten rum, bei gleissender Hitze. Wir tranken je fast 4 Liter. Mehrmals waren wir froh, gegen Tollwut geimpft zu sein. Denn wirklich jedes Haus wurde von mindestens einem Klaeffer bewacht. Die bellten und knurrten nicht nur, sondern rannten uns auch nach. Steinwuerfe und Stockgefuchtel halfen ab... Am Mittag fuellten wir unsere Wasserflasche bei einer Schule. Wir waren wieder mal die Attraktion. Gringos halt. ;-) Nach mehr als 12 Stunden unterwegs kamen wir (wieder mit Stirnlampe bewaffnet) in Quila Quila an, wo uns eine Familie aufnahm. Im oberen Stock des Erdhauses schliefen wir auf bretterharten Betten. Ein Gitterrost und obendrauf als Matratzen einige Lagen Kartonschachteln. Aber immerhin. Die 4 Kinder, die wohl sonst hier schlafen, richteten im Erdgeschoss (auf dem staubigen Zementboden zwischen Getraenkeharassen) ihre Schlafstaette ein.




Tag 3:  Auf der Ladeflaeche eines Lastwagens und eines Pickups schafften wir es in gut zwei Stunden zurueck nach Sucre. Auf der Fahrt wurde uns klar, woher all die Frauen kommen, die in der staedtischen Markthalle sitzen - hinter einem Tuch, auf dem sie ihr Gemuese anpreisen. Jene Frauen, die keinen festen Markstand vermoegen. Aber wenigstens das! Mehr als 80 Prozent der Landbevoelkerung Boliviens lebt in Armut. In staedtischen Gebieten ist es rund jede/r Dritte.

Montag, 1. November 2010

"Mit 4 Worten zum Erfolg" oder "SFs Tiefpunkt in spanischer Konversation"

Andere Laender, andere Sitten. Das haben wir unterdessen ja x-mal erlebt. Kuerzlich mussten wir aber wieder aufs Neue staunen:

SF sind unterwegs in der Stadt, gehen noch schnell Zmittag im Supermaerit einkaufen und steuern dann auf das Migrationsamt zu. Denn: Beim Zoll haben SF "lediglich" 30 Tage Aufenthaltsrecht in Bolivien bekommen. Und die beiden wollen's ja nicht drauf ankommen lassen. Darum eben: Ab aufs Migrationsamt - das liegt ja gerade in der Naehe - die Bewilligung verlaengern gehen. Nur bloed, dass SF vorgaengig nicht eine Sekunde ueberlegt haben, wie man auf spanisch fragen koennte, ob man wohl 30 Tage laenger bleiben duerfe. (Anm. d. Red.: Zu SFs Verteidigung ist zu sagen - das war ja schliessich auch nicht Stoff bei Jaqueline im Spanischkurs! ;-))

Beim Amt angekommen, stuercheln SF ueber die Tuerschwelle. F wendet sich dem gelangweilten Beamten zu, der rechts am Eingang sitzt und sagt: "Aehm... queremos.. 30 días..." (Wir haetten gerne 30 Tage.) Der Beamte winkt SF wortlos zu seinem Kollegen Jhonny rueber, der hier der Boss ist. Also setzen sich SF vor Jhonnys Pult. Dieser meint trocken: "Pasaportes, por favor." Nach kurzem Blaettern dann: "De Suiza, si?" SF verlegen: "Si!" Jhonny blaettert in den Paessen und fuegt hinzu: "Una copia de esto,... de esto,... y de esto...!" SF schauen sich gegenseitig an, erinnern sich blitzschnell, dass sie ja vorhin an einem Kopierladen vorbeigelaufen sind. Nur: In der Hitze des Gefechts bringen sie kein Wort raus, fuchteln nur mit den Armen. Jhonny erkennt die Not und bestaetigt mit Handzeichen die Richtung. SF brechen auf.

Weitere 5 Minuten spaeter sind sie zurueck im Migrationsamt und werden erneut von Jhonny durch einen Wink vor dessen Pult zitiert. Jhonny blaettert die Kopien durch, heftet sie mit einer Klammer zusammen, knallt einen Stempel mit der Information "30 días" drauf und den selben nochmals in die SF-Paesse. Wortlos streckt er die roten Dinger ueber's Pult. Mit einem Augenzwinkern und einem ausgestreckten Daumen meint er: "Bye bye!" SF trotten davon und kommen sich vor wie die duemmsten Touristen: Keine Ahnung von Spanisch haben, aber trotzdem laenger im Land bleiben wollen. Und das duerfen jetzt auch - hoechstens 60 Tage.